Dimension als Verantwortung
- Roy Hofer

- vor 12 Stunden
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Christian Mutschler, CEO der Rhystadt AG

Basel steht vor einer der grössten innerstädtischen Transformationen der Schweiz. Wo einst Industrieanlagen den Stadtraum prägten, soll mit der Planungspartnerschaft klybeckplus von Rhystadt, dem Lebensversicherungskonzern Swiss Life und dem Kanton Basel-Stadt ein neues Quartier entstehen – eingebettet in bestehende Strukturen, geöffnet zum Rhein und verbunden mit der Wiese, jenem Fluss, der aus dem Schwarzwald kommend in Basel in den Rhein mündet.
Über 300'000 Quadratmeter Entwicklungsfläche, ein Planungshorizont von mehreren Jahrzehnten, politische Aushandlungsprozesse und gesellschaftliche Erwartungen und das Ziel, Arbeits- und Wohnraum für 16'000 Menschen zu schaffen, verdichten sich hier zu einem Vorhaben, das weit über klassische Arealentwicklung hinausgeht. Für Christian Mutschler, CEO der Rhystadt AG, ist es nicht nur ein berufliches Grossprojekt, sondern auch eine Entwicklung in der eigenen Heimatstadt auf 160'000 Quadratmeter. So gross ist die Fläche, die der Rhystadt gehört.
Stadt im Wandel
Wer in Basel aufgewachsen ist, kennt die feinen Unterschiede zwischen Grossbasel und Kleinbasel, zwischen Industriegeschichte und urbanem Alltag. Der Norden der Stadt war lange Arbeitsort, weniger Lebensraum. Dass sich dies nun verändert, ist Teil eines grösseren städtischen Wandels – und zugleich ein sensibler Prozess.
„Die Dimension ist in jeder Hinsicht aussergewöhnlich“, sagt Mutschler. Gemeint ist nicht nur die Fläche. Es ist die Zeit – über zwanzig Jahre Planung, bevor gebaut wird. Und es ist die Lage: kein isoliertes Entwicklungsgebiet am Stadtrand, sondern ein Areal, das unmittelbar an bestehende Quartiere anschliesst. Innenverdichtung in ihrer anspruchsvollsten Form.
Hinter der Rhystadt als Investorin stehen mehrere Pensionskassen und Anlagestiftungen. Der Auftrag ist wirtschaftlich klar definiert: nachhaltige Rendite für Versicherte. Doch in einem Projekt dieser Grössenordnung lässt sich Ökonomie nicht von gesellschaftlicher Verantwortung trennen.

«Wir müssen wirtschaftlich tragfähig, sozial ausgewogen und ökologisch zukunftsfähig planen.»
Verantwortung in drei Dimensionen
Nachhaltigkeit wird damit zur Bedingung des Erfolgs. Ein Drittel des künftigen Wohnraums für 8'500 Menschen wird gemeinnützig realisiert – das Ergebnis eines langen politischen Prozesses, der unterschiedliche Interessen zusammenführen musste. Für Mutschler zeigt sich darin, dass Stadtentwicklung nur im Dialog funktionieren kann. Zustimmung und Kritik gehören gleichermassen dazu. Entscheidend ist, das grössere Bild nicht aus dem Blick zu verlieren.
Regelmässige Führungen über das Areal sind Teil dieser Offenheit. Wer das Gelände begeht, erlebt seine tatsächliche Ausdehnung – und erkennt zugleich die Nähe zum Bestehenden. Rhein und Wiese sind keine abstrakten Bezugspunkte auf einem Plan, sondern reale, prägende Landschaftsräume, die seit Generationen Teil des Basler Alltags sind. Diese Einbettung verpflichtet.
Mutschler spricht von der Transformation als Marathon. Prozesse dauern, Prioritäten verschieben sich, Rahmenbedingungen ändern sich. Wer hier Verantwortung trägt, braucht Ausdauer – und ein Verständnis für die Eigenheiten dieser Stadt. Basel ist kompakt, politisch wachsam, diskussionsfreudig. Entscheidungen werden nicht im Stillen getroffen. Gerade deshalb sei es wichtig, transparent zu arbeiten und Kritik nicht als Störung, sondern als Teil des Prozesses zu verstehen.
Das Nutzungskonzept sieht rund 65 Prozent Wohnen und 35 Prozent Wirtschaftsflächen vor. Doch entscheidend ist weniger die Zahl als die Qualität der Durchmischung. Unterschiedliche Lebensmodelle sollen Platz finden – Familien ebenso wie Einzelpersonen, Menschen in verschiedenen Lebensphasen und Einkommensgruppen. Nicht nur exklusives Wohnen, sondern ein vielfältiger Stadtraum mit öffentlicher Zugänglichkeit und wirtschaftlicher Lebendigkeit.

Qualität des Raums
Nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet hier auch, Mobilität neu zu denken. Der Norden Basels ist heute nicht optimal erschlossen. Gleichzeitig bietet die Stadt aufgrund ihrer Grösse das Potenzial einer „15-Minuten-Stadt“. Das künftige Stadtquartier soll ein autoarmes Quartier werden, in dem Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende Priorität haben. Grünräume, Beschattung, Regenwassermanagement und CO₂-neutrales Bauen sind integrale Bestandteile der Planung – keine Ergänzungen.
Am Ende geht es um Selbstverständlichkeit. Ein neues Quartier darf nicht als Fremdkörper erscheinen, sondern soll sich selbstverständlich in das städtische Gefüge einfügen. Die Nähe zum Rhein, die Offenheit zur Wiese und die Durchlässigkeit zwischen Bestehendem und Neuem sollen spürbar sein, ohne inszeniert zu wirken. Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch spektakuläre Gesten, sondern durch sorgfältig gestaltete Räume.
Mit der Rechtsgültigkeit der Bebauungspläne, voraussichtlich in zwei Jahren, beginnt die Phase, in der Konzepte zu gebauten Tatsachen werden. Dann wird sich zeigen, ob die formulierten Ansprüche Bestand haben. „Messt uns daran“, sagt Mutschler. Bäume pflanzen, Freiräume schaffen, Wohnungen bauen – Verantwortung muss und soll sichtbar werden.
Stadt entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Haltung. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Dimension dieses Projekts.

Wer die Dimension des Areals vor Ort erleben möchte, kann an einer der regelmässig stattfindenden Führungen teilnehmen. Details zur Anmeldung sind online einsehbar.
Anmeldung:



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