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Atelier am See: Dimitri Horta über Schilf, Kupfer und ein Leben zwischen Kunst & Bewegung

  • Autorenbild: Roy Hofer
    Roy Hofer
  • vor 5 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Dimitri Horta, Künstler aus Zürich





Wer das Atelier von Dimitri Horta betritt, hört zuerst das Wasser. Die Wellen des Zürichsees schlagen gegen die Kaimauer, während im Raum der Geruch von Öl, Kupferoxid und Holz liegt. 1'200 Quadratmeter, eine Mischung aus Werkhalle, Atelier, Sportfläche und Bootshaus – ein Ort, der eher wie ein Zufall wirkt und doch ein Manifest ist: Kunst muss Platz haben. Und Bewegung auch.


„Ich habe den Besitzer angerufen, ihm ein Konzept vorgelegt – und plötzlich war das hier mein Atelier“, sagt Horta, während er an einer grossformatigen Leinwand arbeitet. Ein Kupferbild, überzogen mit Schichten aus Oxidation, Pigment und Vermutungen über Landschaft. „Eigentlich ganz einfach“, sagt er und lacht. „Anrufen. Machen.“



Zwischen Atelier und offenem Raum

Der Raum in Thalwil ist kein klassisches Künstleratelier. Die Halle am See vereint unterschiedliche Nutzungen – Arbeitsraum, Werkstatt und Ort der Begegnung. Zwischen Staffeleien stehen Kupferplatten, Farbreste und Skizzen, daneben ein Bassin für chemische Oxidation. Der Raum wirkt zugleich roh und konzentriert.


Horta arbeitet selten allein. Kunststudierende helfen im Atelier – Assistenz, Austausch, Zweitmeinung. „Wenn man den ganzen Tag nur im Kopf ist, wird man irgendwann schmal. Junge Leute bringen neue Blicke mit – und manchmal auch Widerspruch. Beides ist wichtig.“



Ich mag Orte, die nicht nur für Kunst gebaut sind. Kunst darf sich mischen. Mit Menschen, mit Bewegung, mit Alltag.



Das Atelier von Dimitri Horta in Thalwil am Zürichsee
Das Atelier von Dimitri Horta in Thalwil am Zürichsee


Schilf als Motiv – Landschaft als Zeitmesser

Ein wiederkehrendes Motiv in Hortas Werk ist das Schilf. Hohe, ruhige Formen, fast statisch – und doch voller Veränderung.

„Schilf ist meine direkte Nachbarschaft“, sagt er. „Ich sehe es jeden Tag vor dem Atelier. Und gleichzeitig verschwindet es langsam. Die Landschaft rund um den Zürichsee verändert sich extrem schnell.“

Die Schilfbilder funktionieren wie Speicher: Landschaft als Erinnerung, festgehalten, bevor sie verschwindet – oder sich neu formt. Grundlage sind oft historische Stiche, die Horta überarbeitet, verfremdet, überschreibt.



Kupfer, Oxidation und das Unvollendete

Viele seiner Werke entstehen auf Kupferplatten. Kupfer lebt, reagiert, verändert sich. „Ölfarbe auf Kupfer ist eigentlich unlogisch“, sagt er, „sie hält schlecht. Also muss man das Material zuerst vorbereiten – und dann darf man es wieder loslassen.“


Die Oxidation mischt mit: blau-grün, türkis, mineralisch. „Ich male nicht nur aufs Kupfer – das Kupfer malt auch zurück. Es arbeitet weiter, wenn ich längst fertig bin. Ein Bild, das sich chemisch verändert, ist nie endgültig abgeschlossen. Das gefällt mir.“





Internationale Wege – und das Prinzip »einfach machen«

Dimitri Horta bewegt sich selbstverständlich zwischen verschiedenen Rollen: Maler, Grafiker, Plakatgestalter – und sogar Gin-Destillateur für das Songbird-Festival in Davos. Seine Arbeiten entstehen oft aus einer Mischung aus Intuition, Materialexperiment und genauer Beobachtung.


Japanische Einflüsse tauchen dabei immer wieder auf – weniger als direkte Referenz, sondern als Haltung: Reduktion, Klarheit, Raum. Linien dürfen stehen bleiben, Flächen dürfen atmen.

Seine Werke wurden bereits an verschiedenen Orten auf der Welt gezeigt – darunter in Zürich, Frankfurt, Dubai, Paris, Lissabon, Mailand und in Japan. Die Orte wechseln, die Arbeitsweise bleibt dieselbe: neugierig, direkt und ohne übermässige Planung.


„Ich habe nie lange strategisch gedacht“, sagt Horta. „Wenn sich etwas richtig anfühlt, mache ich es einfach. Kunst ist vergänglich – genauso wie Erfolg. Mal ist man oben, mal unten. Deshalb finde ich, man sollte überall ausstellen: im Museum, in einer Galerie oder auch in einem improvisierten Raum. Kunst gehört nicht nur an perfekte Orte.“



Und jetzt?

Im Atelier am Zürichsee entstehen weiterhin neue Arbeiten – Schilf, Wasser, Kupfer, Oxidation. Motive, die sich verändern, überlagern und weiterentwickeln. Viele der Werke beginnen mit historischen Vorlagen oder Landschaftsfragmenten und wachsen im Prozess zu etwas Eigenem.


„Mich interessiert, was passiert, wenn ein Bild nicht stehen bleibt“, sagt Dimitri Horta. Er arbeitet weiter in dieser Halle am See, zwischen Segelbooten, Werkbänken und Ölfarben.

„Es ist kein romantisches Künstlerleben“, sagt er. „Aber es ist echtes Arbeiten. Und dafür braucht man eigentlich nur zwei Dinge: Platz – und das Vertrauen, dass man einfach anfangen darf.“


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