Arbeiten, wo andere Ferien machen
- Roy Hofer

- 12. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Jan.
Adrian Steiner, CEO der Thermoplan AG in Weggis

Wer Adrian Steiner gegenübersitzt, merkt schnell: Hier spricht kein distanzierter Konzernchef, sondern ein Unternehmer mit Bodenhaftung, Tatkraft und Vision. Im Gespräch mit Feldmann Kultur gibt er Einblicke in das globale Denken eines lokal verankerten Mittelstandsunternehmens – und in seine sehr persönliche Beziehung zum Ort Weggis.
Weggis als Kraftort und Innovationsstandort
„Weggis ist für mich ein Kraftort“, sagt Steiner. Das Thermoplan-Werk liegt eingebettet zwischen See und Rigi – ein Ort der Ruhe und Konzentration, der gleichzeitig in alle Welt ausstrahlt. „Es ist ein Privileg, hier zu wohnen und zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.“ Als bedeutender Arbeitgeber mit über 500 Mitarbeitenden spürt Thermoplan die Verantwortung für die Region – und lebt sie. „Hier haben wir die besten Mitarbeitenden, und das ermöglicht uns, weltweit erfolgreich zu sein.“
Vom Prototyp zur Weltmarke
Die Erfolgsgeschichte von Thermoplan begann 1997 mit einem unerwarteten Moment auf der Igeho – der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie in Basel. Drei Vertreter von Starbucks entdeckten dort die erste vollautomatische Kaffeemaschine des damals noch unbekannten Unternehmens. Es war der Startschuss einer globalen Partnerschaft. Heute ist Thermoplan exklusiver Maschinenlieferant von Starbucks und liefert seine Geräte in über 86 Länder.
Starbucks, 1971 in Seattle gegründet, steht weltweit für hochwertigen Kaffee und den berühmten „Third Place“ – einen Ort zwischen Zuhause und Arbeit, an dem sich Menschen begegnen. Die Zusammenarbeit mit Thermoplan beruht auf einem gemeinsamen Anspruch: Qualität, Verlässlichkeit und ein besonderes Erlebnis bei jeder Tasse Kaffee.
«Innovation beginnt bei der Idee, aber entscheidend ist die Umsetzung in echte Lösungen»
Die DNA von Thermoplan
Thermoplan ist längst nicht mehr nur Maschinenbauer. „Innovation beginnt bei der Idee, aber entscheidend ist die Umsetzung in echte Lösungen“, sagt Steiner. Über 120 Mitarbeitende arbeiten allein in Forschung und Entwicklung. Die Produktentwicklung ist geprägt von Schweizer Präzision und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden – ob in Vancouver, Sydney oder Tokio. Die Thermoplan-DNA: Zuverlässigkeit, Service, Qualität.
Digital, nachhaltig, offen
Beim Bau des neuen Werks unique hat Thermoplan auf modernste Standards gesetzt. Das Gebäude erfüllt die höchste internationale Umweltzertifizierung – LEED 4.1 Platin. Das bedeutet: Es wurde besonders umweltfreundlich, energieeffizient und ressourcenschonend gebaut.
Zudem wurde das Werk unique mit einem digitalen Zwilling geplant – einem präzisen 3D-Modell, mit dem sich Bau und späterer Betrieb effizient steuern lassen. Diese Methode, bekannt als BIM-to-FM (Building Information Modeling to Facility Management), sorgt dafür, dass sich das Gebäude auch in Zukunft flexibel weiterentwickeln lässt.
Doch das Werk ist nicht nur nachhaltig und effizient – er ist offen. Mit einem öffentlichen Kaffee, einer Academy und einer gläsernen Produktionshalle lädt Thermoplan Besucher:innen ein, hinter die Kulissen zu schauen. „Industrie kann inspirierend sein – wenn man sie zugänglich macht.“
Trends erkennen, Zukunft gestalten
Die Kaffee- und Getränkeindustrie ist im Wandel. Was kommt nach dem Cappuccino? Steiner sieht Potenzial in Tee- und Milchalternativen, warm wie kalt. Auch die Digitalisierung verändert vieles. Künstliche Intelligenz, neue Materialien, vernetztes Denken – Thermoplan entwickelt Technologien, die benutzerfreundlich, flexibel und zukunftssicher sind.
Zugleich bleibt für Steiner klar: „Das Soziale bleibt zentral.“ Der Kaffee sei nicht nur ein Getränk, sondern ein Ritual. Ein Moment der Begegnung. „Trotz aller Automatisierung brauchen wir Orte, an denen Menschen zusammenkommen.“

Führung mit Verantwortung
Für Adrian Steiner bedeutet Unternehmertum auch Verantwortung – gegenüber den Mitarbeitenden, dem Dorf und der Region. Er lebt mit seiner Familie in Weggis, ist im Jagdverein aktiv, geht hier einkaufen. Diese Nähe schafft Vertrauen. „Ich hoffe, die Leute drehen sich nicht weg, wenn sie mich im Dorf sehen.“
Thermoplan will mit gutem Beispiel vorangehen – auch in Sachen Nachhaltigkeit. Der CO₂-Fussabdruck wird systematisch gemessen, Einsparpotenziale werden mit wissenschaftlichen Methoden (Science-Based Targets) erkannt und genutzt. Ziel: klimaneutral bis 2050.
Das Werk als Ausdruck einer Haltung
Dass Thermoplan zentral in Weggis bleibt und nicht ins Ausland verlagert wurde, ist kein Zufall. „Wir wachsen lieber gemeinsam an einem Ort, statt uns zu zersplittern.“ Das Werk steht für kurze Wege, schnelle Entscheidungen – und eine Unternehmenskultur, die auf Austausch, Vertrauen und Zusammenarbeit baut
Was bleibt?
„Ich möchte ein verlässlicher Arbeitgeber sein“, sagt Steiner. Als Unternehmer, als Gastgeber und als Weggiser. Thermoplan ist ein globales Unternehmen mit Herz und Haltung. Und vielleicht ist das der wahre Luxus im Leben: Arbeiten, wo andere Ferien machen – und dabei etwas bewegen.
weitere Infos:









Kommentare